Tausend Jahre Frieden

Ortenburg Bautzen klein
Ortenburg Bautzen

Den Frieden von Bautzen schloss man vor tausend Jahren. Das älteste Ereignis, an das man 2018 erinnert. Vor zweihundert Jahren wurde Karl Marx geboren und die Alt-68er gedenken ihrer großen Zeit vor fünfzig Jahren. Jubiläum reiht sich an Jubiläum. Je näher das Datum, desto mehr persönliche Erinnerungen. Ein Rückblick.    

 

 

Im Januar 1018, so wird es überliefert, schlossen nach fünfzehnjährigem Krieg der deutsche Kaiser Heinrich II. und der polnische Herzog Boleslaw Chrobry den Frieden von Bautzen. Der Pole heiratete kurz darauf eine Tochter des Markgrafen von Meißen. Doch die familiäre Allianz hielt – wie so viele weitere in der Geschichte – kriegerische Konflikte nicht auf. Und so dauerte der Frieden von Bautzen nur sieben Jahre.

1618 beginnt der Dreißigjährige Krieg. Das 400 – Jahre – Gedenken ist Anlass, viele neue Bücher zu publizieren.  104 Treffer zeigt Thalia unter diesem Stichwort an. Die kann man gar nicht alle lesen, weil ja irgendwann und bald das nächste Jubiläum folgt. Mit ebenso neuen und wichtigen Lektüren Sarkastisches Smiley. Dennoch scheint mir als Laien die Ära von 1618 bis 1648 nicht nur als zeitgenössische Erinnerung interessant. Die Kollision von unterschiedlichen territorialen und religiösen (Macht-) Ansprüchen war vor und nachdem ein Wesenszug der Geschichte. Und bleibt es bis ins Jahr 2018 Trauriges Smiley. Weiteren Zündstoff legen soziale Konflikte. Diese zu überwinden, versprachen und versprechen viele Utopien und Visionen. Eine davon schuf Karl Marx, der am 5. Mai 1818 in Trier geboren wurde. Dort gedenkt man seiner mit einer Großen Landesausstellung und der originellen Idee Mit Marx gehen und stehen. Dreißig Jahre später – 1848 – sorgen bürgerliche Revolutionen in Europa für Unruhe. In der Frankfurter Paulskirche trat die erste Deutsche Nationalversammlung zusammen. Die technische Revolution Eisenbahn verband im gleichen Jahr Berlin mit Oberschlesien und Warschau mit Wien.

2014 erinnerte man umfänglich an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor einhundert Jahren. 1918 ging er zu Ende und in Deutschland einher mit der Novemberrevolution und dem Ausrufen der Republik. Für unsere Nachbarn ist dieses Jubiläum ein Besonderes: mehr als 120 Jahre nach der Dritten Teilung entstand wieder ein polnischer Staat. Und Böhmen und Mähren gehörten nicht mehr zum Habsburger Kaiserreich, das unterging, sondern bildeten mit den Slowaken die neue Tschechoslowakei. Vor fünfundzwanzig Jahren trennten sie sich wieder. 1938 schufen das Münchner Abkommen und der Anschluss Österreichs Zäsuren, derer man in diesem Jahr mit zwiespältigen Gefühlen gedenkt. An die grausame Zeit, die ihnen folgte, und wegen der Widersprüche im heutigen Europa. Dabei begann 1968 mit dem “Prager Frühling” und dem “Pariser Mai” ein neuer Wind über den Kontinent zu wehen. Ich wechselte im Sommer dieses Jahres auf die Erweiterte Oberschule, sprich Gymnasium. Dort sollte gleich Solidarität geübt werden, nicht mit den Tschechen, sondern mit den sowjetischen Truppen, die im August bei ihnen einmarschiert waren. Unseren Lehrern merkte man ihre Zweifel an. Die gab es jedoch nicht bei der Sympathie mit der Antikriegsbewegung in den USA.

Zehn Jahre später, 1978, schloss ich das Studium als Diplom-Verkehrsingenieur ab. Seitdem sind vierzig Jahre vergangen und jetzt bin ich in den (beruflichen) Ruhestand gewechselt. Finde mehr Zeit, mich dem Hobby-Studium der Geschichte zu widmen. Als Gast durfte ich am 30. Januar 2018 eine wissenschaftliche Historiker-Konferenz besuchen. Ihr Thema lautete: “Der Frieden von Bautzen 1018”.

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