Eigentlich wollte ich nur mit dem Rad nach Berlin

In Uckro hat man den Niederlausitzer Landrücken schon überquert. Der lange Hügelzug ist so etwas wie eine natürliche Barriere, die das Brandenburger Kernland umschließt. Früher sah ich vom Zug aus ein Hotel neben dem Bahnhof. Hier wollte ich übernachten, wenn ich mal mit dem Fahrrad vorbeikäme…

Seitdem sind viele Jahre verstrichen. Das Hotel gibt es nicht mehr. Aus dem Bahnhof, wo sich ehemals Haupt- und Nebenstrecke trafen, ist ein schlichter Haltepunkt geworden. Aber es ging mir unter die Haut, als ich schließlich doch mit dem Fahrrad hier auftauchte. Auf der Tour von Dresden nach Berlin im August 2014. Über die habe ich schon einige Male berichtet.

Eigentlich wäre es ausreichend, sich gelegentlich an die drei eindrucksvollen Rad-Tage zu erinnern, die ich von Dresden nach Berlin fuhr. Mit einer Schlussrunde über das Tempelhofer Feld. Wenn nicht Schloss Doberlug an der Strecke gelegen hätte. Dort besuchte ich die Brandenburgische Landesausstellung. Ihr Titel: „Wo Preußen Sachsen küsst“. Gemeint ist die Lausitz. Was ich sah, fesselte mich so sehr, dass ich mich mehr mit dem Thema beschäftigte. Um drei Jahre weiter durch die Region zu radeln. Alles das kann man nachlesen im „Lausitz-Report. Erfahren durch erfahren.“

Diesen Bericht habe ich als Anhang meiner neuen Publikation „Unterwegs zwischen Elbe und Oder“ (https://stefangrahl.info/wp-content/uploads/Unterwegs-zwischen-Elbe-und-Oder-Ebook_PDF.pdf) beigefügt. Denn mit dem Lausitz-Report hörte ich nicht auf. Ich hatte erfahren, wie eng die Geschichte von Brandenburg-Preußen und Sachsen mit der von Böhmen und Schlesien verbunden ist. Man sieht das nicht sofort. Unterschiedliche Sprachen und Lebensweisen führen heute eher zum umgekehrten Schluss. Dabei lebten die Leute jahrhundertelang mehr mit- als nebeneinander!

Mein Fahrrad blieb das Vehikel, mit dem ich die nunmehr weiter gefasste Region erkundete. Bis nach Prag an der Moldau. Was mir zu weit war, oder als Einzelradler zu strapaziös erschien, dorthin fuhr ich im Auto und im Zug. Die Reisen haben sich gelohnt. Ich entdeckte viel Neues. Auch dort, wo ich früher schon gewesen bin. Klarer wurde der Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Jetzt ist auch dieses Projekt beendet. Während ich den Text meines Berichts schrieb, kam ich auf Theodor Fontane zurück. Seine tausendseitigen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ lagen vor mir. Ich las interessiert und manchmal amüsiert seine Schilderungen von Land und Leuten und Geschichte. In diesem Jahr wird der 200. Geburtstag des Schriftstellers ausgiebig gewürdigt.

Noch während des „Lausitz-Projekts“ schrieb ich einen Blogbeitrag und gab ihm die Überschrift „Fontane auf dem Fahrrad“. Im Nachhinein erscheint mir das wie der Schlüssel zum Ganzen.

Denn: Eigentlich wollte ich nur mit dem Rad nach Berlin.        

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