Schloss Pillnitz und was einen antreibt

Zwei Sonderausstellungen in Schloss Pillnitz zeigen auf ganz unterschiedliche Weise, wohin der eigene Antrieb führen kann

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Fotos: Ingrid Grahl

Gustav Hermann Krumbiegel wird im Dezember 1865 in Sachsen geboren. Als Teenager beginnt er eine Lehre in den Königlichen Gärten von Schloss Pillnitz bei Dresden. Ihn begeistern vor allem die exotischen Pflanzen, die man hier sammelt und pflegt. Als Krumbiegel die Lehre abgeschlossen hat, zieht er nordwärts und arbeitet in Gärten von Schweriner und Hamburger Residenzen. Dort hört er von den berühmten Royal Botanic Gardens in Kew, im Westen Londons nahe der Themse. Mit 22 Jahren bewirbt er sich dort erstmals um eine Stelle. Nach drei Jahre wird er endlich angenommen. Da lebt er schon eine Weile auf der Insel. Nochmals drei Jahre später entsendet man ihn nach Indien. Damals eine der britischen Kolonien. Krumbiegel wird “Superintendent of Government Gardens “ in den Fürstenstaaten Baroda und Mysore. Als Gärtner der Maharadschas wird er fortan private und öffentliche Gärten und Parkanlagen pflegen. Fast vierzig Jahre lang. In Pillnitz ist er eigentlich schon vergessen. Indien ehrt ihn bis heute. Als sein 150. Geburtstag bevorsteht und man in weiter Ferne ein Fest vorbereitet, wird auch das Interesse hierzulande geweckt. Das “Schlösserland Sachsen” sucht seinen fast verlorenen Sohn. Im Neuen Palais des Pillnitzer Schlosses, in dessen Gärten alles begann, ist seit dem 30. April 2016 (bis zum 1. November 2016) die Ausstellung „Der Gärtner des Maharadschas – Ein Sachse bezaubert Indien“ zu sehen. Im Schlossgarten selbst findet man indische Gartenkunst, zum Beispiel florale Pfauenskulpturen, ein Teppichbeet und die Blumentreppe vor dem Neuen Palais. Krumbiegel, der als junger Mann aus eigenem Antrieb in die Welt hinausging, hat Gärten nicht nur ihrer Schönheit wegen gestaltet, sondern das Grün als wesentliches Element lebenswerter Städte betrachtet. Ein Pfadfinder der Baukultur. Auch davon berichtet die Ausstellung. Für mich ist sie zugleich eine Erinnerung an unsere Reise zu Gärten im Süden Englands. 2011 waren wir unter anderem im Wisley Garden bei London und in Sissinghurst. Die Royal Botanic Gardens Kew stehen auf dem Reiseplan für irgendwann…

Ein Haus weiter, im Wasserpalais des Pillnitzer Schlosses, geht es auch um Dinge, die Menschen bewegen. “Der eigene Antrieb – oder wie uns das Rad bewegt” heißt die Ausstellung rund ums Fahrrad und Radfahren. Vom Hochrad bis zum Klappfahrrad reicht die Palette der Exponate. Exotische Räder, Reifen, Sattel und Leuchten, Trikots von der Friedensfahrt bis zur Tour de France sind zu sehen (ebenfalls bis zum 1. November 2016). Vor einigen Jahren besuchte ich das Technische Museum Wien. Dort ist in der großen Ausstellung Mobilität“ auch die Geschichte des Fahrrads anschaulich nachzuverfolgen. Die Schau in Pillnitz ist eine Nummer kleiner. Doch es lohnt sich. Zahlreiche visuellen Animationen verdeutlichen die soziale Dimension des Radfahrens. Auf Fahrrädern bewegten sich viele Arbeiter zu den Fabriken. In der Freizeit gründeten sie Radsportvereine. Die Emanzipation der Frauen führte auch über das Rad. Andernorts ist das heute noch ein aktuelles Anliegen (Stefan Grahl: In größeren Dimensionen, Radverkehrsstrategien in Australien und den USA; Internationales Verkehrswesen September 2015). Man sieht radfahrende Hippies in Kalifornien und das Doping im Radsport. Doch wir trinken bloß Wasser, steigen auf die Räder und fahren mit und aus eigenem Antrieb auf dem Elbradweg nach Hause zurück.

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