Wenn am Landwehrkanal Kastanienschalen platzen…

und Früchte herausfallen, hört der Spätsommer auf und der Herbst beginnt. Eine schöne Zeit, um in einer Stadt am Wasser spazieren zu gehen. In Berlin, London, Paris und anderswo.

Durch Berlin fließt immer noch die Spree, heißt es im alten Gassenhauer. In London taucht frühmorgens die Tower-Bridge aus dem Nebel der Themse auf. In Paris teilt die Seine die Stadt in Rive Gauche und Rive Droite. Die Namen der Städte verbinden sich mit den Namen der Flüsse, die durch sie fließen und umgekehrt. Dabei sind die Flüsse nicht die einzigen Wasserwege, an denen es sich lohnt zu flanieren.

454865_web_r_k_by_helga-ewert_pixelio-deKnapp elf Kilometer lang erstreckt sich der Berliner Landwehrkanal durch Kreuzberg, Neukölln, Tiergarten und Charlottenburg (Bild links). Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die ersten Abschnitte als Entwässerungs- und Floßgräben angelegt, 1850 der gesamte schiffbare Kanal in Betrieb genommen. Heute schippern Berliner Ausflugskähne und Sportboote hier entlang. Hausboote haben festgemacht. Die Ufer sind größtenteils Freiräume für Stadtbewohner und Gäste. Viel genutzt und aufwändig zu unterhalten. Und im im Frühjahr blühen die Kastanienbäume weiß, rosa und rot. Im Herbst fallen Kastanienfrüchte herab. Naturerlebnis in der Stadt.

regents-canal1812 wurde mit dem Bau des vierzehn Kilometer langen Regent´s Canal in London begonnen (Bild rechts). Er verbindet Paddington im Westen mit den Docks an der Themse im Osten. Seit einigen Jahrzehnten wird er nicht mehr für den kommerziellen Schiffsverkehr genutzt. Aus der Wasserstraße wurde ein wunderbares städtisches Refugium, an dem man stundenlang entlanglaufen kann. Wir starten die Tour an der nahe gelegenen St. Pancras Station, wo die Eurostar-Züge verkehren. Neben vielen Hausbooten entdeckt man am Kanal moderne Architektur und skurrile Plätze in enger Nachbarschaft. Richtig aufregend bunt wird es in Camden mit seinen Märkten. Ein Stück weiter verlassen wir das Kanalufer und “bezwingen” den Primrose Hill, von dem aus wir die Skyline Londons bestaunen. Gegenüber liegt der Regent´s Park als eine der großen grünen Oasen der Stadt.

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Auch in Paris war es ein Bahnhof, der Gare de l´Est, in dessen Nähe ich zum ersten mal den Canal St. Martin entdeckte (Bild mitte). Der wurde 1825 eingeweiht und diente der Wasserversorgung sowie dem innerstädtischen Güterverkehr. Der Kanal ist nur 4, 5 Kilometer lang und verläuft teilweise unterirdisch. Ein sonderbares Vergnügen für die Passagiere der Ausflugsschiffe, denen der Canal Saint-Martin heute vorbehalten ist. Eindrucksvolle Bauten und grüne Uferzonen lohnen indes den Weg zu Fuß zurückzulegen. Im vergangenen Winter wurde der Kanal von der Stadt Paris generalüberholt. Und an seinen Ufern fallen jetzt auch die braunen Kastanienfrüchte.

Drei Beispiele für die Geschichte und den Wandel innerstädtischer Kanäle. Doch neben ihrem hohen Freizeitwert für Einheimische und Touristen erlangen die alten Wasserwege heute eine noch größere Bedeutung. Meist von Bäumen, Sträuchern oder gar kleinen Parks gesäumt, bilden sie wichtige Elemente für die “Belüftung” und “Kühlung” dicht bebauter Innenstädte. In Zeiten immer deutlich spürbarer Auswirkungen des Klimawandels bekommt die Kombination von Wasser und Grün eine neue Funktion für die Städte.

Auch in Dresden ist das bekannt. Hier verspricht das Räumliche Leitbild des Stadtumbaus (2005) am “Leitbild der Europäischen Stadt” festzuhalten. Meint auch die “Entwicklung grüner Schneisen vor allem entlang der Wasserläufe und Kaltluftbahnen”. Einige Nummern kleiner als in den vorgenannten Hauptstädten ist das Projekt Marienstraße in der Dresdner Altstadt. Es wäre segensreich, wenn hier nicht nur Häuser gebaut, sondern wie ursprünglich geplant, der historische Wassergraben mit Bäumen am Ufer wieder entstünde, als Teil eines Grünzugs. Wo im September die Kastanienschalen platzen und Kinder die Früchte aufsammeln.

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