Bienvenue á Bâle – Wo das Trämli durchs Zollhaus fährt

“Es mag Basel gehen wie es will. Ich will dabei sein.” Jacob Burkhardts Worte klingen für mich wie “Ich hab´ noch einen Koffer in Berlin, und wenn ich Sehnsucht hab´, dann fahr´ich wieder hin.”. Und so wurde es Zeit für eine Reise gen Süden. Ich fuhr mit dem Tram nach Frankreich und mit der Fähre über den Rhein. Was ich zudem in Frankfurt und Karlsruhe erlebte, schildert der kurze Bericht. 

Tram 3 klein “Bienvenue á Bále” steht (noch) nicht über dem alten Grenzübergang Burgfelden zwischen Basel und St. Louis. Seit Dezember 2017 dient er als Tramhaltestelle “Burgfelderhof”. Hier fährt das “Trämli”, die Linie 3 der Basler Verkehrsbetriebe nach Frankreich. Ihr Endpunkt ist der SNCF-Bahnhof. Mit dieser mittlerweile zweiten ausländischen Tram-Verbindung (die erste führt ins deutsche Weil am Rhein) sollen vor allem die Pendlerströme besser verteilt und die Autonutzung verringert werden. Eine Station heißt gleich der Straße, wo sie sich befindet “Soleil”. Ob bei Sonnenschein oder Regen, der große Supermarkt hier zählt auch viele Kunden aus der Schweiz. Dank des starken Frankens lohnt sich (immer noch) der Einkauf. Apropos Franken. Den 1000er Schein prägt das Konterfei von Jacob Burckhardt. Der wurde 1818, also vor zweihundert Jahren, in Basel geboren und lehrte später hier Kulturgeschichte. Nachdem er zuvor in Berlin (!) studiert und anschließend Europa bereist hatte. Das Jubiläum des Gelehrten wird umfänglich gewürdigt und gefeiert. Auf Plakaten in der Stadt und auf Flyern in den Tram liest man kurze Zitate aus seinen Texten, kritisch kommentiert von Schülern aus der Region. Viele Namen der jungen Leute klingen wenig nach Schweizer Wurzeln. Man stelle sich eine ähnliche Aktion für Burckhardts gleichaltrigen Zeitgenossen Karl Marx vor… Vielleicht findet so etwas oder ähnliches in Trier statt. Was die Denkschablonen von dogmatischen Anhängern und Gegnern durcheinanderbringt.

Rheinfaehre kleinBasel jedenfalls zeigt sich mal wieder als offene Stadt. Mit Licht und Schatten. Es wird viel gebaut. Zurzeit trifft es den Westflügel des ehrwürdigen SBB-Bahnhof, der für Publikum gesperrt ist. Leider hat deshalb auch mein Lieblings-Restaurant geschlossen, die Bahnhofs-Brasserie. Für diesmal muss ich auf Berner Rösti mit Kalbsbratwurst verzichten. Auf der Gundeldinger Seite wächst gleich neben den Gleisen ein Hochhaus empor. Immer dichter und höher wird die Bebauung und das dürfte dem oft belastenden Stadtklima wenig zuträglich sein. Dem Wolkenkratzer eines Pharmakonzerns nahe des Rheinufers folgen auf der anderen Flussseite voluminöse Neubauten von Spitälern. Erzeuger und Verbraucher in kurzer Distanz. Mit dem Tram aus St. Louis zurückgekehrt, steige ich unterhalb des Basler Münsters in eine der Rheinfähren und lasse mich gemächlich übersetzen. Entschleunigung pur. Mit dem Velo war ich dieses Mal nicht unterwegs. Aber es ist offenkundig, dass immer mehr Leute das Rad nutzen. 16% soll der Anteil am Verkehrsaufkommen mittlerweile betragen. Der Kanton Basel-Stadt hat im Jahre 2014 den “Teilrichtplan Velo” beschlossen: “Um die Bedingungen für den umweltfreundlichen und gesundheitsfördernden Veloverkehr zu verbessern, sind sowohl die Sicherheit zu erhöhen als auch Durchlässigkeit des Strassenetzes sowie die Attraktivität der Veloinfrastrukturen zu verbessern.” Es werden neue Radwege gebaut, Radstreifen markiert und Ampelprogramme angepasst. Natürlich stößt das in der Innenstadt oft an räumliche Grenzen. Velos zwischen den meterspurigen Tramgleisen sehen nicht nur gefährlich aus, sondern sind auch permanent gefährdet. Doch mir scheint, es rollt harmonischer, rücksichtsvoller als hierzulande.

Womit ich zu meiner Reiseunterbrechung in Frankfurt am Main komme. Das Deutsche Architekturmuseum zeigt aktuell die Ausstellung Fahr Rad – Die Rückeroberung der Stadt . Ich würde dem Titel ein Fragezeichen folgen lassen. Ist das Radfahren wirklich ein Synonym für Urbanität? Wie viel Räder verträgt eine Stadt? Diese Fragen und einige Antworten darauf standen im Mittelpunkt der Baukulturwerkstatt “Stadt und Fahrradmobilität”, die vergangene Woche von der Bundesstiftung Baukultur in Karlsruhe organisiert worden war. Fast alle, die teilnahmen, waren radfahrende Experten… und folglich unter sich. Ein Argument fand ich besonders interessant: Wenn in den Städten die Fahrräder immer schneller und die Autos (zwangsweise mit Tempo 30) langsamer fahren, könnte daraus eine Symbiose werden. Um den begrenzten öffentlichen Raum, der Straße heißt, gleichberechtigt zu nutzen.

Auf der linksrheinischen Seite führt seit 2016 der Elsässerrheinweg von der Basler Innenstadt bis ins angrenzende französische Huningue. Geplant und gebaut für Velofahrende und Fußgänger. Bienvenue á Bâle!  


Nachtrag: Vor vier Wochen startete ich am Wenzelsplatz in Prag eine Radtour entlang von Moldau und Elbe. Soeben lese ich online in der “Tagesschau”: Fahrradverbot in Prag.                              

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