25 Jahre Deutsche Einheit – Von Köln nach Berlin

Die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen als gesamtdeutsche Institution

Die deutsche Einheit war gerade eine Woche alt als der „Deutsche Straßen- und Verkehrskongress 1990“ in Nürnberg begann. Es war die turnusmäßig aller zwei Jahre stattfindende Veranstaltung der westdeutschen Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), die ihren Sitz in Köln hat. Erstmals begrüßt wurden Fachleute aus den neuen Bundesländern. Viele von ihnen gehörten der „Kammer der Technik“(KdT) an, einer vergleichbaren Fachorganisation in der DDR. Dem Charakter der staatlichen Vereinigung entsprechend, dem Beitritt der DDR zur BRD, sagte der damalige FGSV-Präsident „… dass die einzelnen Arbeitsausschüsse der Fachsektion (Straßenverkehrsanlagen in der KdT) in geordneter Weise in die Arbeitsgremien der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen überführt werden“, und „… wir sind sicher, dass die gemeinsame Arbeit bald zur Normalität werden wird“. Er meinte die FGSV als gesamtdeutsche Institution.[1]

Ganz so schnell und so einfach ist das nicht gegangen. Es waren zunächst nur Einzelpersonen, die aufgrund ihrer Kenntnisse, Erfahrungen und Positionen in die FGSV-Gremien aufgenommen wurden. Zwei Jahre später auf dem Kongress in Hamburg merkte der Präsident deshalb an: „Wir standen erst am Anfang des Zusammenwachsens und mussten uns fachlich und menschlich noch zusammenfinden“.[2]

An der Kongressvorbereitung in Hamburg war auch die neu gegründete Geschäftsstelle der FGSV in Berlin beteiligt. Deren Leiter ist es gewesen, der mich fragte, ob ich nicht FGSV-Mitglied werden wolle. Ich stimmte zu unter einer Bedingung: aktive Mitarbeit in einem Arbeitsgremium. Er kümmerte sich und das mit Erfolg.

Seit 1993 bin ich im Arbeitsausschuss „Verkehrsbeeinflussung außerorts“ tätig. Ein Jahr später kam ich zum Arbeitsausschuss „Verkehrsbeeinflussung innerorts“. Ich ging mit großer Ehrfurcht zu den ersten FGSV-Sitzungen. Als Geschäftsführer der Berliner Licht- und Signaltechnik GmbH war ich es zwar gewohnt, meine Arbeit zu vertreten, aber der stark fachlich geprägte Umgang mit hochrangigen Professoren und Behördenvertretern war Neuland für mich. Anfänglich fühlte ich mich als Exot aus dem Osten. Aber nicht allzu lange. Die ehrenamtliche Mitarbeit in den Ausschüssen und Arbeitskreisen, von denen ich zwei geleitet habe, half und hilft mir in der beruflichen Tätigkeit. Aus manchen der sehr zahlreichen persönlichen Kontakte sind kollegiale und auch freundschaftliche Verbindungen geworden, bei denen Ost und West bald keine Rolle mehr spielten.

Die FGSV ist nun schon lange eine gesamtdeutsche Institution geworden. Den Alltag bestimmen Themen, die in Köln und Berlin, Hamburg und Dresden gleichermaßen anstehen. Oft sind es nicht nur nationale Probleme, an deren Lösung mitgearbeitet wird, sondern europäische und weltweite.

Die FGSV-Geschäftsstelle in Köln hat mich einige Male bei Aktivitäten zum internationalen Wissenstransfer unterstützt, z. B. in Ungarn und Rumänien. Noch intensiver ist der Austausch unter dem „D A CH“ mit Österreich und der Schweiz. Es waren auch Kontakte über die Mitarbeit in FGSV-Gremien, die mich später in die „Schweizer Vereinigung der Straßen- und Verkehrsfachleute“ (VSS) führten.

25 Jahre deutsche Einheit ist die Zeitdauer einer Generation. Nun kommen junge Leute in die FGSV, deren Ausbildung und Berufswelt sich nicht mehr nach Deutschland Ost oder West unterscheiden. Wichtig ist, dass sie kommen und mitmachen wollen. Und sie sollten frühzeitig die Chance erhalten, Verantwortung in FGSV-Gremien zu übernehmen.

Von Köln nach Berlin: die FGSV hat ihren Hauptsitz in Köln behalten. „Und das ist gut so“ sagt der Berliner…


[1] Auszug aus der Eröffnungsrede, nachzulesen im Tagungsband, Kirschbaum Verlag Bonn, ISBN 3781212742

[2] Auszug aus der Eröffnungsrede, nachzulesen im Tagungsband, Kirschbaum Verlag Bonn, ISBN 3781213269

 

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